Neuer RZN

06.08.2001
14:48Alter: 18 yrs

Der Nachteil des bisherigen RZN, der ausschließlich auf Abgangsdaten beruht ist, dass er erst sehr spät mit ausreichender Sicherheit vorliegt, da hierzu erst Abgangsinformationen auch aus der zweiten Laktation vorliegen müssen. Durch die Kombination des bisherigen direkten RZN mit zusätzlichen Merkmalen mit genetischer Verbindung zur Nutzungsdauer kann die Sicherheit und die erste Veröffentlichung deutlich verbessert werden.Wissenschaftliche Untersuchungen in Deutschland, die auch gut mit ausländischen Ergebnissen übereinstimmen, haben substanzielle genetische Beziehungen der funktionalen Nutzungsdauer zu den folgenden Merkmalen gezeigt:• Somatische Zellzahl (RZS)Als Indikator für die Eutergesundheit ist der Zuchtwert Zellzahl eng mit der Nutzungsdauer verbunden (genetische Korrelation: +0.45). • Funktionale Exterieurmerkmale• Kalbeverlauf

 

Von den Fruchtbarkeitsmerkmalen hat die weibliche Fruchtbarkeit die engste Beziehung zur Nutzungsdauer. Da dieser Zuchtwert wegen der geringen Erblichkeit und Zahl der Informationen erst sehr spät vorliegt, eignet er sich nicht als Hilfsmerkmal für einen früheren Nutzungsdauerzuchtwert. Verwendet wird aber der Zuchtwert für den maternalen Kalbeverlauf (gen. Korr. +0.16).Die Kombination der Zuchtwerte für vorgenannte Merkmale mit den Abgangsdaten der Töchter ermöglicht einen frühe Einschätzung der Vererbung der Langlebigkeit von Bullen in Form des neuen RZN. Ab der Zuchtwertschätzung August 2001 wird der neue verbesserte RZN für alle Bullen bereits veröffentlicht wenn sie offiziell veröffentlichte Zuchtwerte für Leistung, Exterieur und Zellzahl haben. Mit zunehmenden Abgangsinformationen weiterer Töchter aus dem Test- und Vererbereinsatz bekommen diese Informationen ein immer größeres Gewicht im Nutzungsdauerzuchtwert RZN, bis sie diesen schließlich zu 100% bestimmen. Die Abbildung zeigt die Verschiebung der Informationquellen für den RZN im Zeitablauf vom ersten offiziellen Zuchtwert bis zu 99% Sicherheit mit vielen Töchtern aus dem Vererbereinsatz.Überraschenderweise wurde für die Körpertiefe eine negative Beziehung zur Nutzungsdauer gefunden (gen. Korr.: –0.32). Bis jetzt gibt es hierfür noch keine eindeutige physiologische Erklärung. Viel Körpertiefe bereits zum Zeitpunkt der Bewertung als Färse kann als ein Zeichen für Frühreifheit betrachtet werden. Führeife Typen gelten als nicht so langlebig wie die spätreifen und länger wachsenden Typen.Von den Eutermerkmalen zeigen die Eutertiefe und die Vordereuteraufhängung die engsten Beziehungen zur Nutzungsdauer. Da die Eutertiefe andererseits negativ mit der Leistung verbunden ist, wird der Zuchtwert für die Vordereuteraufhängung als Hilfsmerkmal für die Nutzungsdauer verwendet (gen. Korr. +0.36). Auch der Zuchtwert Fundamentnote hat eine deutlich positive Beziehung zur Nutzungsdauer (gen. Korr. +0,32).

Neuer Zuchtwert für die funktionale Nutzungsdauer

Die deutschen Holsteinzüchter legen sehr viel Wert auf eine lange Nutzungsdauer. Daher war Deutschland auch eines der ersten Länder, dass 1996 einen Zuchtwert für Nutzungsdauer einführte, den RZN. Ab August 2001 wird der RZN mit der Einbeziehung von Hilfsmerkmalen zur Nutzungsdauer weiter verbessert.
Bisher beruht der Nutzungsdauerzuchtwert (RZN) für Bullen auf den Abgangsdaten der Töchter. Anders als in einigen anderen Ländern wird bei der Zuchtwertschätzung auf Nutzungsdauer in Deutschland das relative Milchleistungsniveau der Töchter innerhalb der Herde berücksichtigt, um zu verhindern, dass es zu einer Verzerrung der Nutzungsdauerzuchtwerte für Bullen mit hoher Leistungsveranlagung kommt. Hochleistende Färsen erhalten generell mehr Aufmerksamkeit und Behandlung als niedriger leistende Herdengefährten mit entsprechend umweltbedingt längerer Verbleiberate.

Zellzahl-, Exterieur- und maternale Abkalbezuchtwerte werden als Hilfsmerkmale berücksichtigt

 

 

 

Relative Gewichte der Informationsquellen im neuen Zuchtwert für funktionale Nutzungsdauer (RZN) mit zunehmender Töchterzahl:

Wenn ein Bulle mit seinem ersten Zuchtwert für Leistung, Exterieur und Zellzahl veröffentlicht wird, basiert sein RZN auf einer Kombination von Pedigreeindex Nutzungsdauer, Zellzahlzuchtwert, Zuchtwerten für funktionale Exterieurmerkmale (Körpertiefe, Vordereuteraufhängung, Fundamentnote) und den maternalen Kalbeverlauf sowie den ersten Abgangsinformationen der Töchter.Zu diesem Zeitpunkt hat der neue RZN bereits eine Sicherheit von ca. 50%. Mit zunehmender Töchterzahl aus Test- und Wiedereinsatz bekommen die direkten Abgangsdaten der Töchter ein immer größeres Gewicht, bis diese schließlich 100% der Information bei einer Sicherheit des RZN von 99% ausmachen.