Zuchtprogramme

Die Deutsche Holsteinzucht zeichnet sich durch sehr vielseitige Zuchtprogramme mit unterschiedlichen Schwerpunkten aus. Dadurch wird nicht nur ein außergewöhnlich breites Angebot garantiert, sondern auch eine sehr große Variation der eingesetzten Blutlinien.

Verein Ostfriesischer Stammviehzüchter eG (VOST): Bewährte Kuhfamilien und hohe Sicherheit

Das offene Zuchtprogramm des VOST nutzt die besten Holsteinzuchten weltweit und selektiert nach eigenen unabhängigen Vorgaben. Im Vordergrund stehen langlebige, tiefe Kuhfamilien als Grundlage für einen erfolgreichen Zuchtfortschritt. Das Hauptselektionsgebiet für das Zuchtprogramm umfasst die europäischen Regionen entlang der Nordseeküste, von der französischen Bretagne im Süden bis nach Dänemark im Norden. Ein besonderer Schwerpunkt liegt auf dem ostfriesischen Zuchtgebiet mit seinen tiefen, traditionellen und über Generationen gezüchteten Kuhfamilien. Das Ziel sind langlebige, gesunde Kühe, mit bestem Exterieur. Jährlich werden etwa 45 bis 50 Holstein- und 2 bis 3 Red-Holstein-Vererber getestet.
Erfolgreiche Vererber der letzten Jahrzehnte waren Lukas, Minister, Black, Bob, Lentini RF, Louvre, Lasso oder Derby.

Bullenstation Georgsheil

NOG Nord-Ost Genetic GmbH & Co KG (NOG: RBB, RinderAllianz, MAR und RSH)

ET-Jungrinderstall in Nückel

Mit Wirkung vom 1. Juli 2012 haben die Gesellschafter der NOG NORD-OST Genetic GmbH & Co KG beschlossen, ihre Zuchtprogramme zukünftig über die NOG zusammen zu führen.

Kernpunkte der Vereinbarung sind die gezielte gemeinsame Selektion geeigneter Genetik, die verstärkte Anwendung moderner biotechnischer Methoden sowie die effektive Nutzung der Spitzenbullen durch einen verstärkten Spermaaustausch und eine Anpassung der Bullenbestände der Gesellschafter. Die gesamte Selektionsarbeit in den Zuchtgebieten der NOG-Partner wird nach einheitlichen Selektionskriterien von den jeweiligen Zuchtorganisationen durchgeführt. Die Vertragsbedingungen der heimischen Züchter für die Unterstützung bei der Durchführung von biotechnischen Maßnahmen sowie dem Ankauf von Bullenkälbern werden weiter vereinheitlicht. Die Koordination der Zuchtprogramme in der NOG gibt uns die Möglichkeit, national und international die besten Jungrinder und Kühe für die Anpaarung auszuwählen. Top-Jungrinder mit hohen genomischen Zuchtwerten können in der Biotechnikstation Nückel intensiv züchterisch genutzt werden. Die Selektionsarbeit in auswärtigen Zuchtgebieten wird in der NOG koordiniert und von den jeweils zuständigen Sire Analysten für alle NOG-Partner durchgeführt.

Alle für den Ankauf ausgewählten Jungbullen werden entsprechend dem Bedarf auf die NOG-Partner aufgeteilt und gehen in das Eigentum der jeweiligen Organisation über. Auch die bisherigen NOG-Bullen werden den NOG-Partnern zugeteilt, sodass die NOG zukünftig keine Bullen mehr halten wird. Durch die Auswahl der Bullenkälber von einer gemeinsamen Ergebnisliste kann der Ankauf hinsichtlich Qualität der Zuchtwerte und Pedigreevielfalt optimiert werden.

Das schon über Jahre bewährte Spermaaustauschprogramm sichert den Züchtern im NOG-Gebiet einen Zugriff auf alle Bullen der NOG-Partner: eine wichtige Voraussetzung für die breite Nutzung der besten Genetik. Mit den genannten Maßnahmen werden die NOG-Partner die Effizienz ihrer Zuchtarbeit verbessern, die züchtungsbedingten Kosten senken und ihren Mitgliedsbetrieben ein qualitativ verbessertes Angebot an genomischen und töchtergeprüften Vererbern zur Verfügung stellen können.

TopQ (LTR, RUW, ZBH): Die Suche nach Spitzengenetik in aller Welt

TopQ ist ein Zusammenschluss der drei GGI-Mitgliedsorganisationen Landesverband Thüringer Rinderzüchter (LTR), Rinder-Union West eG (RUW) sowie Zucht- und Besamungsunion Hessen eG (ZBH). TopQ wurde mit dem Ziel gegründet, den Mitgliedsbetrieben der drei Partner ständig ein Spermaangebot interessanter Holstein-Bullen und Red Holstein-Bullen auf höchstem genetischen Niveau zur Verfügung zu stellen. Die Basis hierfür bildet ein straffes Zuchtprogramm, welches zu einem der größten Programme weltweit zählt. Jährlich werden im TopQ-Verbund etwa 2.000 Holstein-Bullen und 1.000 Red Holstein-Bullen genomisch untersucht. Dabei wird sowohl auf der Vater- als auch auf der Mutterseite die gesamte Bandbreite der international verfügbaren Spitzengenetik genutzt. Die drei Sire-Analysten der TopQ-Zuchtorganisationen arbeiten gemeinsam an der Selektion. Durch die Aufteilung Deutschlands und der weltweit wichtigsten Genetikmärkte unter den Sire Analysten wird die Intensität der Auswahl erhöht. Für die Auswahl der Bullenväter wird die weltweite Holsteinpopulation regelmäßig intensiv analysiert und unter Berücksichtigung der aktuellsten Zuchtwertdaten eine gezielte Auswahl der Bullenväter unter den besten Vererbern der Weltholsteinpopulation vorgenommen. Auf der weiblichen Seite werden ebenfalls aus dem weltweiten Holstein-Genetik-Pool herausragende Bullenmütter selektiert. Die Auswahl erfolgt mit den modernsten zur Verfügung stehenden Informationsmitteln auf der Basis von genomischen und konventionellen Zuchtwertinformationen sowie allen verfügbaren Leistungsdaten. Sämtliche für das Besamungszuchtprogramm in Frage kommenden Kandidatenbullen werden typisiert und auf Basis ihres genomischen und konventionellen Zuchtwertes selektiert. Die Selektion der weltweit genomisch untersuchten Jungbullen erfolgt kontinuierlich auf der Grundlage des Gesamtzuchtwertes (gRZG) aus dem deutschen genomischen Zuchtwertschätzsystem. Die ausgewählten Bullen müssen zur absoluten Spitze der Population gehören und über ein gutes Allroundvermögen sowie nach Möglichkeit über eine alternative Abstammung verfügen. Die angekauften Jungbullen werden nach einem definierten Regelwerk unter den TopQ-Zuchtverbänden aufgeteilt. Aus diesem intensiven Zuchtprogramm sind international bekannte und bewährte Vererber wie Mascol, Gibor, Tableau, Elburn RDC oder Goldday sowie hohe genomische Jungbullen wie Lexington, Big Point, Sundance oder Label P hervorgegangen.

Deutsche Holstein-Schau 2013
Zimpall-Tochter Zara